#10 Trends hinterherrennen: Warum ich keine Character Cards erstelle

Was einem erst auffällt, wenn man auf Bookstagram unterwegs ist, sind die vielen Trends, die über den Markt sausen – manche nachhaltiger als andere. Auch auf der Buchmesse sind mir natürlich einige davon begegnet. Das nehme ich als Anlass, mir heute ein paar anzuschauen und für mich einzuordnen.

  1. Sich selbst verkaufen
    Es geht direkt mitten rein und in ein für mich häufig unbequemes Thema: die Selbstvermarktung. Ich bin kein uneingeschränkter Fan von Social Media und mag es auch nicht sonderlich, wenn ich etwas machen MUSS, was mich ins Rampenlicht rückt. Ich möchte meine Bücher schreiben und dann möchte ich, dass sie gekauft werden. Dass ich selbst dafür Marketing machen muss, stört mich am meisten (auch wenn ich in dem Bereich mein Geld verdiene). Aber ich verstehe auch, dass es notwendig ist, sich eine Community aufzubauen – besonders als Selfpublisherin (auch wenn selbst Verlagsautor:innen nicht mehr daran vorbeikommen). Ich bin euch aber doppelt dankbar, wenn ihr mit meinen Instagram-Inhalten interagiert und/oder mir eine Nachricht schreibt.
  2. Einsatz von KI
    Darüber habe ich in einem Instagram-Beitrag schonmal etwas gesagt (hier kannst du es nachlesen). Ich nutze KI. Niemals, um meine Bücher zu schreiben. Aber für die Recherche und als Sparringspartner funktioniert es für mich. Gerade sitze ich in Oxford und recherchiere für ein neues Buch. Die KI befrage ich zum Beispiel zu historischen, lokalen, gesellschaftlichen Hintergründen und zu Lektüren, Videos etc. zu dem Thema, die ich mir anschauen kann. Auch, wenn ich in WordPress oder bei der Gestaltung von Grafiken und Videos vor Problemen stehe, kann mir die KI weiterhelfen. Meine Website wäre sonst bestimmt nicht entstanden. Dennoch verneine ich nicht, dass es negative Seiten der KI-Nutzung gibt und Bereiche, in denen sie stark reguliert gehört. Dazu zählt oft auch der kreative Raum. Ich versuche, mich hier auf dem Laufenden zu halten.
  3. Character Cards
    Sie sind ein riesiger Trend, dem ich vor Bookstagram noch nie irgendwo begegnet bin. Ich gebe zu, dass ich es auch nicht richtig verstehe. Die Magie der Bücher liegt doch darin, dass ich in Welten und Figuren eintauchen kann, die sich in meiner Vorstellung bilden. Unsere Fantasie wird durch das vage Umschreiben und das Weglassen angeregt. Deswegen versuche ich auch nicht das Äußere meiner Charaktere zu genau zu beschreiben. Natürlich habe ich sie vor meinem inneren Auge und ich gebe gerne zu, dass ich auch Bilder von Personen nehme, und sie bei meiner Figurenentwicklung anwende. Aber das ist meine Fantasie. Ich werde nicht alles an einer Person beschreiben und ich werde auch keine Character Cards erstellen, weil ich will, dass meine Lesenden frei im Kopf sind. In Zeiten von einer Buchverfilmung nach der anderen ist es irgendwie verständlich, dass auch das Buch selbst, zumindest in der Vermarktung, mehr und mehr zu einem visuellen Medium wird (siehe auch Punkt 6). Für mich selbst kann ich mir so etwas gerade aber nur in zwei Genres vorstellen: Fantasy und Science Fiction. Dort, wo komplexe Welten, ganze Völker und Wesen erdacht werden, die sowieso im Buch sehr detailliert beschrieben werden (müssen).
  4. Video schlägt Text
    Das Wissen hierzu ist nicht neu – die Umsetzung für mich aktuell aber schon. Außer schönen Zusammenschnitten von meinen Reisen habe ich noch nicht viele Videos erstellt. Ich merke, dass es mich gerade vor Herausforderungen stellt, schöne Reels zu produzieren, die das treffen, was ich transportieren will, mit den Designvorgaben, die ich umsetzen will und das in einem zeitlichen Umfang, der mir nicht den letzten Nerv raubt sowie die Zeit, um mich um meine Bücher zu kümmern. Das fordert mich wirklich heraus. (Tipps are welcome!)
  5. Genre-Trends
    Hierauf werde ich nur kurz eingehen. Ich höre immer wieder Diskurse dazu, welche Genres gerade trenden und ob man sich danach ausrichten sollte oder nicht. Meine Meinung hierzu ist ganz klar: Ich schreibe das, was geschrieben werden will. Ich kümmere mich nicht darum, ob es gerade im Trend liegt oder nicht. Ich halte im Allgemeinen nicht viel von dieser Kategorie. Menschen sind Vielfalt. Die Welt ist Vielfalt. Wenn wir Anfangen nur noch uniform zu schreiben, nehmen wir uns selbst so viel weg – als Lesende und als Schreibende.
  6. Farbschnitte
    Als ich das zuerst gesehen habe, war ich irritiert. Ich wusste nicht, was alle so toll an Farbschnitten fanden. Mir haben sie nicht sonderlich gut gefallen. Außerdem schlägt bei solchen Themen dann auch oft mein Nachhaltigkeits-Herz und ich denke an giftige Farben und unsere Umwelt. Jetzt halten mich vielleicht manch für heuchlerisch, weil ich mich eben noch für die KI-Nutzung ausgesprochen habe. Aber ich sehe es nur als solches, wenn ich das eine verurteile, während ich mir keine Gedanken zu den Auswirkungen meiner eigenen Handlungen mache. Niemand ist perfekt. Wir alle hinterlassen einen Abdruck – egal ob ökologisch oder sozial. Ich finde es wichtig, darüber zu reflektieren und nicht gedankenlos einfach alles zu beanspruchen. Ich nutze KI, aber verzichte dafür vielleicht auf Farbschnitte. Das muss jede:r für sich selbst einordnen und entscheiden. Inzwischen habe ich mich an Farbschnitte gewöhnt und finde sie sogar manchmal schön. Aber ich finde, es kommt auf das Werk an und würde es irritierend finden, wenn plötzlich eine Jane Austen Auflage im Farbschnitt erschiene. Meine persönliche Meinung bei dem Thema: Weniger ist mehr.
  7. Marketing
    Ich habe das Thema eingangs schon angeschnitten. Neben der Selbstvermarktung geht es aber natürlich auch um die eigenen Bücher. Inzwischen findet diese nicht nur vor und während der Veröffentlichung statt, sondern eigentlich immer. Es gibt einen ganzen Lebenszyklus eines Buches und mindestens bis zum Kauf wird dieser heute marketingseitig komplett abgedeckt. Das geht oft mit dem Community-Aufbau einher, ist für mich als Debüt-Autorin aber manchmal auch schwierig zu bewerkstelligen. Es gehen viele Unsicherheiten damit Hand in Hand. Werde ich das Buch fertig schreiben? Wie viel darf ich verraten? Wahrscheinlich gibt es keine richtigen Antworten, also versuche ich mich einfach auf ehrliche Kommunikation zu konzentrieren und hoffe, ihr mögt das.

Welche Trends mögt ihr und welche nicht? Lasst einen Kommentar da oder schreibt mir direkt auf Instagram.

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