Der Weg zu einer Veröffentlichung ist lang. In meinem Fall zieht er sich bereits über Jahre. Das hat verschiedene Gründe. Manche sind ganz profan, zum Beispiel das allseits bekannte Motivationsloch, andere sind unumgänglicher, zum Beispiel meine Handgelenks-OP im letzten Sommer.
Immer wieder hab ich mir Deadlines gesetzt und sie kolossal gesprengt, bis ich mich Ende letzten Jahres dazu durchgerungen habe, mir einfach keine Deadlines mehr zu setzen. Zumindest nicht, bis der erste Entwurf fertig ist. Sobald dieses Gerüst steht, macht es vielleicht auch wieder für mich Sinn, einen Zeitplan bis zur Veröffentlichung zu erstellen, schließlich beginnt dann auch der Teil, in welchem man kooperativ mit anderen zusammenarbeitet – Testlesende, Lektorat, Cover-Design und so weiter. Klar, dass es da verbindliche Timings und Zuverlässigkeit braucht. Bis dahin gebe ich einfach mein Bestes.
Eigentlich wollte ich in diesem Artikel verschiedene Herausforderungen Punkt für Punkt durchgehen – jetzt sind wir im ersten, dem des Zeitmanagements, aber schon mitten drin. Also machen wir doch hier auch gleich weiter. Ja, die liebe Zeit. Man hat immer zu wenig, vergeudet immer zu viel für unwichtige Dinge und fragt sich dann, wo sie schon wieder hin entschwunden ist. Die Zeit ist der Zwilling der Priorität. Wenn wir uns welche einräumen wollen, steht immer auch eine Entscheidung über die Wichtigkeit an. Ich empfinde das oft als den herausforderndsten Faktor. Klar, die Lohnarbeit geht vor. Wenn man es sich leisten kann, die Zeit, die man dort verbringt zu reduzieren (ich arbeite daran!), ist schon ein bisschen was gewonnen. Aber auch dann warten Pflichten (schließlich will man etwas essen und nicht im Dreck versinken) und auch schöne Dinge auf einen (nichts ist wertvoller als Zeit, die wir mit unseren Lieben verbringen, solange wir das können). Hinzu kommen Hobbys, Sport wäre auch nicht schlecht und ich persönlich möchte auch Zeit haben, um zu lesen – aus Freude daran, aber auch, weil es mich für mein eigenes Schreiben schult. Neben all diesen Dingen versuche ich mir dann noch Zeit freizuschaufeln. Aber auch die kann ich nicht nur fürs Schreiben aufwenden. Als Selfpublisherin muss ich sie auch in mein Marketing, Community-Aufbau, das Management meiner Selbstständigkeit (z. B. Steuern), Grafik-Erstellung, Recherche und so weiter stecken. Da bleibt manchmal nur noch ganz wenig Zeit zum Schreiben übrig. Und genau hier greift dann die Frage nach der Priorität. Was kann liegenbleiben, damit ich es schaffe, mein Buch hin zum ersten Entwurf zu bringen?
Plot-Probleme
Früher habe ich nicht geplottet. Heute glaube ich, dass ich deswegen so gut wie nie etwas fertiggestellt habe (ja, ich weiß – auch jetzt bin ich noch weit entfernt von fertig…). Mit der Beats-Struktur habe ich es aber geschafft, meine Geschichte in eine Struktur zu bringen, an der ich mich nun entlanghangeln kann. Dennoch stoße ich auch dabei immer wieder auf Logikfehler, die ich wieder ausmerzen muss, stolpere über unsinnige Entscheidungen, die ich während des Plottens getroffen habe oder erlebe lange Durststrecken, die mich schon beim Schreiben langweilen und von denen ich weiß, dass sie in der Phase der Überarbeitung nervös mit dem Fuß wippend auf mich warten werden. Da stellt sich mir regelmäßig die Frage: Doch jetzt schon Teile überarbeiten oder erst mal alles herunterschreiben? Ich habe mich für Letzteres entschieden, aber es nagt immer wieder an mir und in der Folge leider auch an meiner Motivation. Schließlich will ich, dass das was ich schreibe packend und überzeugend ist. Ähnliche Gedanken befallen mich auch beim nächsten Punkt:
Schreibstil
Je mehr ich von anderen Autor:innen in meinem Genre lese, desto mehr fällt mir auf, wie unausgereift mein Roman sprachlich noch ist. Stichwort: berichten vs. erzählen. Ich hangele mich also an meinem Plot entlang und stelle immer dann, wenn ich aufregende Szenen in anderen Büchern lese, fest, wie leblos meine Texte sind. Und das hat einen konkreten Grund: Ich berichte die Geschichte, anstatt dass ich sie zum Leben erwecke. Ich weiß, was ich will, aber kann es im ersten Entwurf nicht direkt umsetzen. Und das frustriert mich manchmal, weil ich dann das Gefühl bekomme, dass andere einfach so ein wunderschönes oder spannendes Buch geschrieben haben. Dabei bedenke ich natürlich nicht, dass diese Personen auch mal kopfschüttelnd bis haare raufend vor ihrem ersten Entwurf gesessen haben. Ich nehme die Frustration aber auch als Inspiration. Wie gesagt: Ich weiß, wo ich hin will. Ich brauche aber noch etwas Geduld, um meinen Bericht (aka den ersten Entwurf) fertigzustellen und dann endlich ins Erzählen zu kommen und mein Buch dort auf meinen persönlichen Schreibstil treffen zu lassen.
Recherche
Das ist ein Aspekt, den ich ganz klar unterschätzt habe. Ich hatte nicht bedacht, wie viel ich nicht weiß. Auch nicht, wie mich jede noch so kleine Frage immer zu einer nächsten weiterleitet. Wie Alice im Kaninchenloch irre ich umher, zwischen den vielen Abzweigungen, die man auf der Suche nach Informationen nehmen kann. Selbst wenn ich denke, ich kenne mich aus, muss ich immer wieder feststellen, dass es so einfach nicht ist. Mein Roman spielt in einer Stadt, in der ich selbst lange gelebt habe. Und dennoch: Ich muss meine Schritte auf Google Maps nachvollziehen, damit ich keinen Unsinn schreibe. Und wenn ich zum Beispiel damit anfange zu recherchieren, wie eine Mordkommission aufgebaut und in das ganze System eingeflochten ist, lande ich nicht nur bei der komplexen Wahrheit von Zuständigkeiten und Berichtpflichten, sondern am Ende auch bei den profansten Kleinigkeiten, wie beispielsweise der Frage nach den Fahrzeugtypen, welche den Ermittlern zur Verfügung stehen, wenn sie im Einsatz sind. Vieles scheint unwichtig zu sein, landet oft auch gar nicht im Buch, ist letztlich für die Authentizität einer Geschichte aber äußerst wichtig. Zumindest glaube ich daran. Ich denke, man merkt es, wenn jemand verstanden hat, wovon er oder sie schreibt.
Marketing-Gedanken
Vom Thema Marketing würde ich mich am liebsten ganz weit zurückziehen (was lustig ist, wenn man weiß, dass ich im Marketing arbeite). Wenn ich den Bildschirm wechsle (mich von der Arbeitnehmerin auf magische Weise zur Autorin verwandle), dann will eigentlich kreativ sein und mich nicht mit Social Media und Co. auseinandersetzen. Statt mich davor zu drücken, habe ich mich aber Ende letzten Jahres mitten hineingeworfen. Schließlich möchte ich mein Buch irgendwann in euren Händen sehen und da ich keinen reichweitenstarken Verlag im Rücken habe, liegt die Verantwortung mir eine entsprechende Reichweite aufzubauen bei mir selbst. Dafür musste ich mich aber erstmal mit einer Zielgruppenanalyse befassen und dann eine Strategie entwickeln. Beides ist mir trotz langjähriger Erfahrung nicht leicht gefallen. Zum einen, weil es sich um mein eigenes Produkt handelt und zum anderen, weil ich so etwas noch nie für das Buchumfeld gemacht habe, welches ich speziell finde. Wenn ich mich auf Instagram bewege, treffe ich dort auf zwei Zielgruppen: andere Schreibende und Lesende. Beide sind für mich wichtig. Beide möchte ich gerne ansprechen, aber die Waage zu halten und für beide Gruppen interessant zu sein, ist gar nicht so einfach. Deshalb geht sehr viel Zeit und Energie in diesen Bereich. Auf der einen Seite macht es mir Spaß, mich auch hier auszuprobieren auf der anderen Seite, ist es auch wieder ein Bildschirm, vor dem ich sitze und den ich in dem Moment über mein Leben hier draußen in der Wirklichkeit priorisiere. Das mag etwas schwer klingen, aber es stellt tatsächlich eine Herausforderung für mich dar, mich nicht zu lange in diesem konkreten Kaninchenloch zu verlieren.
Wissen
Die letzte Herausforderung, auf die ich hier noch eingehen will, ist die der Wissenslücke in Bezug auf Buchveröffentlichungen. Jeder einzelne Schritt ist Neuland für mich und liegt auch deshalb, hauptsächlich aber weil ich alles richtig machen will, außerhalb meiner Komfortzone. Solange ich schreibe, fühle ich mich in der Kontrolle. Aber wenn es dann darum geht, Testlesende zu kontaktieren (Hilfe – jemand wird mein Buch lesen!), ein Lektorat zu buchen (Wer passt zu mir und meiner Geschichte und kann ich mir das eigentlich leisten?) oder mein Buch zu veröffentlichen (Wie geht das eigentlich genau?
) stehe ich vor Hürden, die größer scheinen als der Mount Everest. Immer wieder lenke ich meine Gedankenkreise in das Hier und Jetzt. Um diese Fragen kümmere ich mich, wenn es so weit ist. Das versuche ich mir ständig zu sagen. Dennoch schleichen sie sich immer wieder heimlich an mich heran und blockieren mich.
Ich weiß, dass ich nicht die Erste bin, die vor diesen Hürden steht und ich bin mir sicher, dass ich sie überwinden werde. Dennoch sind sie da und alleine über sie zu schreiben, macht sie für mich bereits greifbarer und damit hoffentlich leichter zu bewältigen.
Lasst mich gerne auch an euren Hürden teilhaben. Wo hängt ihr (immer wieder), womit habt ihr zu kämpfen? Hinterlasst gerne einen Kommentar oder schreibt mir auf Instagram!