Auf meinem Instagram-Kanal habe ich es bereits thematisiert: Ich wollte eigentlich gar keine Selfpublisherin sein. Mein Bild vom Selfpublishing beruhte auf einigen Vorurteilen. Ich hielt es für weniger professionell und dachte nicht, dass es möglich sei, auf diese Weise erfolgreich veröffentlichen zu können. Ich habe es mehr mit kleinen Nischen-Produkten verbunden und mit Autor:innen, die nur zum Spaß schreiben und bei denen kein ernsthafter Gedanke hinter den Veröffentlichungen steht. Mensch, lag ich falsch! 😅
Der Wandel kam für mich Anfang letzten Jahres. Vielleicht fing die gedankliche Veränderung damit an, dass ich mich davor drücken wollte, ein Exposé zu schreiben oder Absagen von Verlagen zu bekommen. Ich weiß es nicht genau. Ganz sicher hatte sie damit zu tun, dass es mir wichtig war, in meinen Büchern komplett frei zu sein. Je mehr ich mich zudem mit dem Schreibhandwerk befasst habe, desto öfter bin ich auf Informationen über das selbstständige Veröffentlichen gestoßen. Es hat mich interessiert zu verstehen, wie der Prozess vom geschriebenen Buch bis hin zum erwerbbaren Produkt aussieht (ich bin mir sicher, dass ich ihn noch immer nicht ganz überblicken kann). Mir fällt es leichter, mich in einer Welt zu bewegen, die ich verstehe. Deswegen möchte ich die Schritte, die nach der Fertigstellung des Buches kommen auch nicht abgeben. Ich möchte sie lernen und begreifen und mich dadurch sicherer durch die Buch-Welt bewegen können.
Ein weiteres Vorurteil, das ich in Bezug auf Selfpublishing hatte, war die Vorstellung, damit als Autorin noch einsamer zu sein. Es ist wahr, dass man viele Stunden allein und zusätzlich viel Zeit im eigenen Kopf verbringt, wenn man Bücher schreibt. Ich dachte, dass eine Agentur und ein Verlag mir automatisch Kontakte verschaffen. Ich hatte nicht erwartet, dass man als Autorin – egal mit welcher Form der Veröffentlichung – so tolle Verbindungen aufbauen kann. Ich habe Menschen auf Veranstaltungen getroffen, mit denen ich Kontakt halte und mich teilweise zum gemeinsamen Schreiben treffe, ich habe mich Online Communitys angeschlossen, bei denen man Rat suchen und Austausch finden kann und ich bin über meine eigenen Marketingbemühungen auf Social Media auf andere Schreibende und Lesende gestoßen, die für das gleiche Thema brennen. Mein Fazit: Man kann, muss aber nicht allein sein.
Ich habe gerade das Thema Marketing erwähnt. Es hat mich abgeschreckt, als Selfpublisherin in diesem Bereich alles allein machen zu müssen und mich selbst als Marke aufzubauen. Und zugegeben: Es kostet sehr viel Zeit und Energie, ist auch mental herausfordernd und liegt oft außerhalb meiner Komfortzone. Aber ich lerne auch hier unglaublich viel und es ist schön zu sehen, wie ich wachse und meine Community auf meinem Kanal sich bildet. Ich probiere mich gerade sehr viel aus und sehe was funktioniert und was nicht – für euch und für mich.
Auch hier auf meiner Website kann ich tun und lassen, was ich will. Niemand grätscht dazwischen oder sagt mir, dass ich etwas besser lassen sollte. Ich liebe es, alle zwei Wochen einen Artikel über Dinge zu schreiben, die mich interessieren. Wenn ich das in der Vergangenheit getan habe, wusste ich nie, wohin damit. Jetzt haben meine Gedanken ein Zuhause.
Ich habe mehrfach betont, dass es mir wichtig ist, frei in Bezug auf die Inhalte meiner Bücher zu sein. Für mich ist klar: Ich will mir nicht sagen lassen, was ich schreiben soll oder was gerade gut ankommt. Ich liebe meine Naivität in vielen Dingen, weil sie mich weniger verkopft macht. Die Geschichte, die ich zu schreiben beschließe, ist immer diejenige, die gerade am drängendsten ist und sich durch neue, unangekündigte, vor meinem inneren Auge auftauchende, Szenen und Ideen (besser kann ich das irgendwie nicht beschreiben) bemerkbar macht.
Als Autorin im Nebenberuf ist es mir auch wichtig, dass der Akt des Schreibens für mich nicht in Stress ausartet. Auch, wenn ich mich manchmal gegen einen selbstkreierten Pseudo-Druck stemmen muss, weiß ich eigentlich, dass es keine Deadline gibt, die ich mir nicht selbst setze. Ich liebe es, dass ich auch in der Frage nach dem Datum der Veröffentlichung frei sein kann. Niemand außer mir selbst kann mich wirklich unter Druck setzen. Und: Niemand kann mir ein Buchprojekt streichen, weil der Vorgänger bestimmte Performance-Zahlen nicht erreicht hat oder so. Ich definiere, wie Erfolg für mich aussieht. Ich muss keine externen Erwartungen erfüllen.
Zu guter Letzt – Money Talk: Ein großes Vorurteil, das mich ebenfalls länger umgetrieben hat, sind die Verdienstmöglichkeiten. Wir alle wissen, dass Autor:innen nicht besonders gut an ihrer Kunst verdienen – es sei denn, sie heißen Sebastian Fitzek. Was ich nicht wusste, ist, dass man im Selfpublishing oft besser verdienen kann als mit Agentur und Verlag. Das liegt zum einen natürlich daran, dass weniger Parteien berücksichtigt werden müssen, wodurch die Margen höher sind. Auf der anderen Seite kann ich, bspw. bei E-Books, den Kaufpreis selbst bestimmen. Dafür muss ich selbstverständlich auch in Vorleistung bzgl. Lektorat und anderen externen Leistungen gehen.
Wie ihr seht, gibt es viele Bereiche, die zu berücksichtigen sind und ich habe über die Zeit den Großteil meiner Vorurteile gegenüber des Selfpublishings abgebaut. Versteht mich nicht falsch: Beide Formen haben ihre Daseinsberechtigung und ich würde niemals ausschließen, nicht auch mit einem Verlag zu veröffentlichen. Aktuell ist das aber nicht der richtige Weg für mich. Ich möchte die Zeit und das Geld investieren, das dafür notwendig ist, das ganze Handwerk von A bis Z zu lernen und selbst anzuwenden. Das ist sehr herausfordernd und ich habe noch zahlreiche Fragezeichen. Es macht aber auch viel Spaß.
Ich nehme euch gerne weiter mit auf diesem Weg und erzähle euch von meinen Erfahrungen, Learnings und Fehltritten.
Lasst mich bis dahin gerne wissen, wie ihr über das Selfpublishing denkt und welche Gründe euch dazu ermutigen oder davon abhalten? Ich freue mich über eure Kommentare und Nachrichten – hier oder auf meinem Instagram-Kanal.