#6 Routinen – Befreiung oder Einschränkung?

Kürzlich habe ich mir die Frage gestellt, ob ich in meinen Routinen feststecke oder ob sie mir genau das geben, was sie sollen: Leitplanken, innerhalb derer ich mich sogar freier bewegen kann als ohne sie.

Früher, als ich mir noch keine bewussten Routinen geschaffen hatte (ich meine nicht die alltäglichen Routinen wie Zähneputzen nach dem Aufstehen, in denen wir uns natürlich alle bewegen), haben sie mich abgeschreckt. Das lag größtenteils aber daran, dass diejenigen, die ich bei anderen gesehen habe, nicht zu mir passten. Ich sah Menschen auf Instagram beim allmorgendlichen Journaling, das mir viel zu aufwändig erschien oder bei Skin Care Routinen, die mich nicht interessierten. Ich bekam Meditationsroutinen mit, für die ich nicht die Geduld hatte und Sportroutinen für welche mir die Disziplin fehlte. Ich hatte immer die Vorstellung, dass Routinen mich einschränken und in meiner Freiheit beschneiden würden. Ich wollte doch gerade keinen routinierten Alltag, langweilte mich doch bereits der täglich wiederkehrende Trott. Ich war auf der Suche nach mehr Freiheit in meinem Alltag.

Geändert hat sich das für mich 2023 als ich während meines Aufenthalts in Costa Rica auf eine Journalvorlage für einen Monats-Rück- und Ausblick gestoßen bin. Sie hat mich in ihrer Länge und Ausrichtung angesprochen. Seither nehme ich mir am 01. jeden Monats die Zeit dafür. Ich zelebriere dieses Ritual, sitze mit einem Tee auf meinem Sessel oder auf dem Balkon in der Sonne und reflektiere anhand von nur 6 Fragen den vergangen Monat und werfe einen Blick auf den gerade begonnenen. Das hilft dabei, mir bewusst zu machen, womit ich mich gerade in meinen Leben beschäftige und worauf ich mich ausrichten möchte. Inzwischen haben sich mehr solcher Rituale in mein Leben begeben. Ich mache morgens eine 10-minütige Yoga-Session🧘‍♀️, weil sie mir bei meinen Rückenproblemen hilft und einen entspannten Start in den Tag ermöglicht. Danach setzte ich mich in Ruhe hin und trinke meinen Tee🍵. 2024 habe ich mich bei einem Workation-Aufenthalt in Marokko dazu inspirieren lassen, mir meinen “win of the day” bewusst zu machen. Den haben wir beim wöchentlichen Community-Dinner mit der Gruppe geteilt. Zuhause schreibe ich ihn mir jetzt jeden Abend vor dem Schlafen in ein kleines Büchlein. Das macht mir bewusst, dass täglich etwas Gutes in meinem Leben passiert. Diese Routinen stecken den Rahmen für meinen Tag und lassen ihn mich bewusst beginnen und beenden.

Als ich begonnen habe, mich als Autorin neben einer Vollzeit-Tätigkeit selbstständig zu machen und meinen Traum aktiv zu verfolgen, musste ich feststellen, dass eine der größten Herausforderungen darin liegt, meinen Tag neu zu strukturieren und noch genug Energie für meine Leidenschaft übrig zu haben. Es gab Phasen, da lag ich abends erschöpft und ausgelaugt auf meiner Couch und wollte nichts mehr, außer mich beschallen lassen. (Ich will keine falsche Vorstellung erzeugen: natürlich habe auch ich diese Momente immer noch ab und zu.🦦) Ich habe dann versucht zu analysieren, wie mein Energiehaushalt sich über den Tag hinweg verhält und dabei festgestellt, dass ich früh morgens und abends die meiste kreative Kraft besitze. Also habe ich mir vorgenommen, zwischen Yoga und Arbeitsbeginn eine Stunde zu schreiben. In meinem vorherigen Job konnte ich drei Mal pro Woche von Zuhause und zeitlich flexibel arbeiten und es hat wirklich gut funktioniert! Jetzt geht das nur noch zwei Mal die Woche, wodurch sich mein Schreibrhythmus erneut verändert. Und jede Irritation einer Routine birgt die Gefahr in sich, in alte Muster (in meinem Fall heißt das: Lethargie auf der Couch) zurückzufallen. Genau das muss ich mir gerade bewusst machen und mich wieder und wieder an den neuen Rhythmus gewöhnen, bis er zu einem neuen Muster geworden ist.

📖 Auch für das Lesen habe ich mir Routinen geschaffen: Ich nehme mein Buch mit, wenn ich im ÖPNV unterwegs bin (auch, wenn die Zeit nur für 3 Seiten reicht) und versuche zudem abends mit einem Tee und meinem Buch die letzten 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen zur Ruhe zu kommen. Zudem arbeite ich aktuell wieder daran, gegen 22 Uhr ins Bett zu gehen, weil mit meiner Schlafqualität die des nächsten Tages steht und fällt (jetzt ist es 22:33 Uhr – ich glaube, das sagt schon alles über meinen bisherigen Erfolg).

Sobald ich diese Routinen schleifen lasse, fällt es mir total schwer, mein gewünschtes Pensum zu schaffen und wieder in den Rhythmus zurückzufinden. Beim Schreiben wird der Unterschied an der geschriebenen Wortzahl besonders deutlich. Abgesehen von den Morgen-Sessions versuche ich mir dennoch keine weiteren fixen Schreibzeiten einzuplanen, um Flexibilität für meinen Alltag zu haben. Das mag paradox klingen, aber besonders am Wochenende möchte ich frei sein, zu tun was und wann ich es möchte. Schreiben gehört fast immer dazu. Aber wenn es mal nicht klappt, weil ich mit Freundinnen Kaffee trinken oder ins Museum gehe, mit meinen Neffen spiele oder in der Sonne liege ist es das wert. Zu fühlen, dass man lebt und Zeit mit Herzensmenschen zu verbringen ist es immer wert. Letztlich entspringt auch meine Kreativität aus dem Leben und meine Erfahrungen fließen in meine Geschichten mit ein.

Bei Melanie Marner wurde ich im Advents-Schreibcoaching dazu inspiriert, mir zur Schreibroutine ein Ritual zu schaffen (zum Beispiel, eine Kerze anzuzünden). Das soll auch dabei helfen, Blockaden und Ablenkungen vorzubeugen und ich möchte es unbedingt ausprobieren.🕯️

Zurück zu meiner Eingangsfrage: Sind Routinen befreiend oder einschränkend? Meiner Erfahrung nach können sie eine große Planungslast von einem nehmen und dem Kopf Raum geben, sich um andere Dinge zu kümmern. Wenn ich genau weiß, wann ich was machen möchte, muss ich mich mit der Frage nicht mehr belasten. Unabdingbar ist es aber aus meiner Sicht, sich seine eigenen Routinen zu suchen. Diejenigen, die einem selbst einen Mehrwert bieten. Dafür muss man sich Zeit geben und in sich reinhören: Bringt mir diese Routine etwas? Verbessert sie meinen Tag? Oder setzt sie mich unter Druck? Falls sie das tut, ist sie vielleicht nicht die richtige. Wichtig ist auch ein entspannter Umgang mit Routinen. Wenn es (aus den unterschiedlichsten Gründen) mal nicht klappt, die Routine aufrechtzuerhalten, ist das kein Drama. Auch das kann man beobachten. Haben sich die Bedürfnisse oder der Rhythmus des Alltags geändert? Sollten die Routinen angepasst werden? Oder braucht man einfach mal eine Pause und morgen geht’s wieder weiter? Die Antworten auf diese Fragen kann man immer nur in sich selbst finden – nicht bei anderen, sicherlich in keinem Instagram-Feed und ganz bestimmt auch nicht in meinem Blogartikel.

Wie ist das bei euch? Habt ihr Schreibrituale oder andere Routinen, die euch im Alltag oder bei Projekten helfen? Habt ihr Tipps und Erfahrungen, die ihr teilen wollt? Schreibt gerne einen Kommentar oder eine Nachricht auf Instagram.

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